Warum Ereignisse zu Nachrichten werden – und andere nicht

Mann beißt Hund“ oder „Unfall mit Tier in Grevenbroich“ – welche Nachricht wird eher gedruckt – und warum?

Ob über ein Ereignis berichtet wird, ist abhängig von seinem Nachrichtenwert, den man mithilfe von sogenannten Nachrichtenfaktoren berechnet. Je mehr dieser Faktoren auf ein Ereignis zutreffen, desto eher wird darüber berichtet. Die fünf bekanntesten sind:

1. Personalisierung
Kann das Geschehen an einer Person, einem Einzelschicksal festgemacht werden, wird es spannender. „Mann beißt Hund“ zieht schließlich mehr Klicks als „Unfall mit Tier in Grevenbroich“.

2. Nähe
Wenn ein Familienmitglied verunglückt berührt es uns mehr als bei Fremden. Ähnlicherweise kommt ein Ereignis eher in die News, wenn es uns politisch, räumlich oder kulturell nah ist. Dies erklärt zumindest teilweise, warum über den Terror in Paris mit 120 Toten intensiv berichtet wurde, während die folgenden Anschläge in Nigeria mit mehreren hundert Opfern kaum Beachtung fanden.

3. Negativität
Traurig, aber wahr: bad news are good news, Katastrophen, Gewalt und Konflikte sind stets besonders gern genommen. Die Faszination des Bösen ist ein viel analysiertes Thema – medial funktioniert sie jedenfalls prächtig.

4. Elite-Person oder Elite-Nation
Je bekannter die betroffene Person, je größer und mächtiger die Nation, desto schneller kommt ein diesbezügliches Ereignis in die Nachrichten.

5. Frequenz
Kurzfristige Ereignisse finden eher in der Bildzeitung oder der Süddeutschen Platz, langfristige, planbarere Hintergrundberichte im Spiegel. Kurzum: Die Erscheinungsfrequenz des Mediums muss mit dem Ereignis zusammenpassen.

All das bedeutet aber nicht, dass Journalisten eine Checkliste mit Nachrichtenfaktoren haben, anhand derer sie über Berichte entscheiden. Auch wenn eine Story genug Spannung und Relevanz haben muss und Negativität sich besser verkauft, wurden die Faktoren erst im Nachhinein von Wissenschaftlern ermittelt. Seitdem finden sie teilweise Eingang in den Redaktionsalltag. Wichtig ist aber, dass – zumindest laut Kommunikationswissenschaftler Winfried Schulz – all die Faktoren nicht im Ereignis selbst liegen, sondern diesem subjektiv von den Journalisten zugeschrieben werden. Es kommt, wie so oft, auf die individuelle Weltsicht, die eigene Brille an.

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