Gib deinem Kind kein Smartphone!

Mediennutzung verändert die Gehirnstruktur negativ – je früher sie erfolgt, desto stärker ist die Wirkung. Trotzdem wird Digitalisierung an Schulen vorangetrieben – keine gute Idee!

Ein Kommentar von Anja-Katharina Riesterer

Vor ein paar Jahren machte ein Video die Runde, auf dem ein kleines Kind eine Zeitung durchblättert – und dabei mit den Fingern auf den Seiten herumwischte, weil es nicht verstand, dass es kein digitales Angebot war.

Kinder und Jugendliche wachsen heute meist selbstverständlich mit digitalen Medien auf und gemeinhin werden darin Chancen gesehen: Kommunikation, Information, spielerisches Lernen. Darum wird auch an Schulen der Einbau digitaler Medien in den Unterricht vorangetrieben – vorrangig, um den Kindern „Kompetenzen“ für den Umgang damit zu vermitteln. Damit ist gemeint, zu lernen, wie die Neuen Medien funtkionieren, woran man seriöse Angebote erkennt, was eine neutrale von einer ideologisch geprägten Berichterstattung unterscheidet und wie man die Gefahren von Cybermobbing, Internetsucht und Datenklau erkennt und behandelt.

Wissen über Cybermobbing ist nicht des Pudels Kern

Der Kasus Knaktus dabei ist nur: neuere Forschung zeigt, dass zu früher und intensiver Umgang mit digitalen Medien die Gehirnstruktur und die Körperwahrnehmung schädigt. Ein Computerspiel, das dafür gedacht ist, die Reaktionszeit und Aufmerksamkeit zu trainieren, bewirkt unter Umständen genau das Gegenteil: da die Aufmerksamkeit auf den ganzen Bildschirm verteilt und nicht auf eine Sache fokussiert werden muss, entwickelt sich eher eine Aufmerksamkeitsstörung.

Allgemeine Medienkenntnisse werden durch die Nutzung und Schulung also zwar erlangt, aber auch während dieses Lehrvorgangs entsehen schon Gehirnschäden. Prof. Dr. Manfred Spitzer von der Uniklinik in Ulm attestiert als Folge früher Mediennutzung „Oberflächlichkeit im Denken, Aufmerksamkeitsstörungen, Sprachentwicklungsdefizite und körperliche Schäden“. Auch der Neurobiologe Gerald Hüther warnt, dass durch die Datenflut Wichtiges von Unwichtigem nicht mehr unterschieden werden kann. Das beständige, schnell zwischen Angeboten wechselnde Wischen auf dem Smartphone überfordert und verändert das menschliche Gehirn. Hüther hat erforscht, dass der frontale Cortex im Gehirn, zuständig für Empathie, Impulsregulierung und Handlungsplanung, heute immer weniger aufgebaut und verschaltet wird – dem digitalen Dauermultitasking sei Dank. Und der sensomotorische Cortex, der im Gehirn unter anderem für die Regulierung der Daumenbewegung zuständig ist, ist mittlerweile durchschnittlich doppelt so groß wie vor 20 Jahren – SMS und WhatsApp lassen grüßen.

Entwicklungsfördernde Schulkonzepte ohne digitale Medien

Im Silicon Valley, DEM Standort für Hightech-Industrie und Digitales, schicken Angestellte von Google, Apple, Yahoo und Co, also Leute, die es wissen müssen, ihre Kinder auf ausdrücklich medienferne Schulen – und vermeiden auch zuhause Medienkontakt bei ihren Kindern.

Beispielsweise Waldorfschulen werden hier immer mehr in ihrem Lehrkonzept wissenschaftlich untermauert – mit der Betonung manueller Fähigkeiten (Handwerk, Handarbeit, Kunst) wird im Gehirn eine Grundlage für kognitive Arbeit geschaffen. Sie arbeiten vor allem in den unteren Klassen komplett medienfrei – und das nicht aus dogmatischen Prinzipien und Vorschreibebedürfnissen, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass Gehirnbildung und Wachstum durch digitale Medien einfach negativ beeinflusst werden. Gegen eine spätere bewusste und kompetente Nutzung (wobei eine Kompetenz über die momentan angepriesenen Punkte hinausgehen und sich auch mit solchen Entwicklungseinflüssen beschäftigen muss) spricht ja dann nichts – und auch nicht dagegen, dass ein Kind ab und an eine DVD schaut.

 

 

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