Du musst nicht unabhängig sein

Mich selber lieben, bevor ich geliebt werden kann und komplett unabhängig sein – das hielt ich lange für erstrebenswert.
Aber ich habe mich geirrt!

Die Idee, komplett unabhängig von anderen Menschen sein zu wollen (müssen) ist verlockend. Denn meist haben wir gelernt, dass Beziehung jeglicher Art einen Preis hat: den Verlust von Autonomie. Nähe zu bekommen setzen wir damit gleich, einen Teil von uns aufgeben zu müssen. Sind wir genau so, wie wir alleine auch sind, kann das nur eins bedeuten: Ablehnung. Konsequenzen. Verlassenwerden.

Meist bringt das Erfahrungen von Co-Abhängigkeit mit sich: die emotionale Sucht nach einer Bezugsperson wird so stark, dass man sich selbst dafür aufgibt und glaubt, nicht mehr ohne sie leben zu können. Ganz logisch scheint da die Lösung für all diese Probleme: komplett emotional unabhängig sein zu können und zu müssen.

Ein fataler Denkfehler, dem ich selbst lange erlegen bin. Aber dann lernte ich (u.a. durch die Arbeit von Teal Swan), dass das Quatsch ist.

Was in Beziehung entstanden ist, wird in Beziehung geheilt.

Denn menschliche Nähe, Beziehung und Verbindung ist das Grundbedürfnis Nummer 1 unserer Spezies. Wir sind nicht dafür gemacht, alleine zu sein. Teal Swan bringt es humorvoll so auf den Punkt: „Wenn du vor einer Herde Tiere stehst – pickst du dir dann ein einzelnes raus und erklärst ihm, es müsse dringend seine Abhängigkeit von den anderen in den Griff bekommen?“. Das Beispiel ist natürlich stark vereinfacht, zeigt aber meines Erachtens den wichtigsten Punkt auf: das Bedürfnis an sich ist überhaupt nicht das Problem – und völlige Unabhängigkeit von anderen nicht das Ziel.

Wir Menschen sind von Natur aus « interdependent ». Das englische Wort bringt es so gut auf den Punkt. Im Deutschen gibt es das in dieser Form nicht – « wechselseitige Abhängigkeit » würde ich es nennen. Die Frage ist also nicht, wie man aus ungesunder Abhängigkeit in vollkommene Unabhängigkeit kommt… sondern wie man das Aufeinanderangewiesensein gesund gestaltet und gerade daraus seine Autarkie gewinnt. Was in Beziehung entstanden ist, kann nur in Beziehung geheilt werden. Und es könnte einen Grund dafür geben, dass wir bei dem Verlust eines Menschen (durch Tod oder Trennung) aufhören zu essen und manchmal auch zu trinken – eben weil menschliche Nähe und nicht Nahrung unser Grundbedürfnis Nummer 1 ist. Und daran ist per se nichts Falsches. Ganz im Gegenteil.

Ein super genialer Buchtipp* dazu von oben genannter Teal Swan, jeweils auf Deutsch und Englisch:

 

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